Pater Gerhards Kräuterkolumne: Lavendel

PATER GERHARDS KRÄUTERKOLUMNE – Lavendel


„Was Rosmarin für den Geist, ist Lavendel für die Seele“. So lautet ein altes Sprichwort. Volkstümliche Namen wie „Balsamkraut“, „Hirnkraut“ oder „Nervenkräutl“  belegen dies eindrucksvoll.

 

Der „Echte Lavendel“ (Lavandula angustifolia, auch Lavandula officinalis oder Lavandula vera genannt) gehört zu den Klassikern der Heilpflanzen. Von Bedeutung sind ebenfalls Speik-Lavendel und der sogenannte Lavandin, eine Mischung der beiden vorgenannten Sorten.

Zu seinen mediterranen Verwandten zählen unter anderem Salbei, Rosmarin und Thymian. Im Namen des Kräutleins wird Wesentliches ausgesagt. Das lateinische Verb „lavare“ meint „waschen“. Lavendel wie auch Salbei und Ysop zähle ich deshalb zu den Waschkräutern.

 

Pflanzlicher Mottenschutz

Noch eine Eigenschaft gilt es vorab festzuhalten: Lavendel wird von keinem Schädling befallen. Wir alle kennen Lavendelsäckchen, die unsere Kleidung vor Motten schützen sollen, und in Alkohol gelöst vertreibt das Kraut Insekten, die uns umschwirren „wie Motten das Licht“, die uns stechen und zum Kratzen reizen.

Rund dreißig Lavendel-Arten lassen sich unterscheiden. Dazu kommt noch eine Vielzahl an Sorten, die des Gärtners Fleiß geschaffen hat. Heimat des Lavendels sind ursprünglich die Küstenregionen des Mittelmeerraums. Dort kommt er an trockenen, warmen Hängen weit verbreitet vor. Er wächst an trockenen und felsigen Hängen, vereinzelt bis an die Waldgrenze.

 

Lavendel aus der Provence – beliebtes Postkartenmotiv

Lavendel ist die charakteristische Pflanze der Hoch-Provence; die großen Lavendelfelder sind ein touristisches Ziel. Festzuhalten gilt: Je kälter die Gegend, desto geruchsärmer der Lavendel. Benediktiner-Mönche waren es, die ihn in unseren Gefilden nördlich der Alpen eingeführt haben. Allerdings sucht man ihn in den bekannten Schriften der großen Heilkundigen und Hochkulturen der Antike vergebens.

Schriftlich erwähnt wird er erst im frühen Mittelalter durch Hildegard von Bingen, die ihn in ihrem „Physica“ als wärmend und trocknend beschreibt, aber ausdrücklich vor der inneren Anwendung warnt. Im „Macer floridus“, in dem der französische Benediktiner Odo von Meung bereits mehrere Arten von Lavendel beschreibt, gibt es allerdings auch Hinweise auf innere Anwendung.

 

Lavendelfeld in Südfrankreich.

Lavendelfeld in Südfrankreich. Foto: Torsten Haag

 

Lavendel erobert Gärten

Im Mittelalter wurde dem Lavendel im Volksmund u.a. auch der Name „Muttergottespflanze“ gegeben. Er sollte Dämonen fernhalten, aber auch „unkeusche Gelüste“ abwehren. Ob diese Mythen dazu beitrugen, daß er seit dem 16. Jahrhundert Einzug in die Bauerngärten hielt, ist allerdings nicht belegt. Doch allein die Färbung von Laub und Blüte und der betörende Duft sind ausreichende Argumente für die Anpflanzung im Garten.

Doch nun zurück zum eingangs zitierten Sprichwort: „Was Rosmarin für den Geist, ist Lavendel für die Seele“. Schon seit Jahrhunderten gilt Lavendel als „Balsam für die Seele“. Angst, Unruhezustände, Ein- und Durchschlafstörungen, nervöse Magen- und Darmbeschwerden und manches mehr kann mit den duftenden Blüten und Blättern kuriert werden. Wenn wir Lavendel nutzen, schaffen wir Momente „außerhalb der Zeit“, beruhigende und sanfte Augenblicke, die nicht nur unseren Körper und Geist, sondern eben auch unsere Seele reinigen.

 

Vielfältige Heilwirkung

Der kleine „Große“ aus der Provence beruhigt und zentriert, ohne zu ermüden. Nachweislich hilft Lavendelöl in der Palliativmedizin und bei der Sterbebegleitung. Es wirkt beruhigend für den Sterbenden, wie auch für die Begleiter und die Angehörigen. Lavendel wirkt darüber hinaus entzündungshemmend, antimikrobiell, antibakteriell, krampflösend und antiseptisch.

Frische, mit ätherischem Lavendelöl behandelte Wunden eitern nicht, und auch die Schmerzen verschwinden daraufhin rasch. In der Volksmedizin gelten die Blüten als harntreibendes Mittel und als hilfreich bei Fäulnis- und Gärungsprozessen im Darm. Äußerlich angewendet wirken Einreibungen entkrampfend und muskelentspannend.

Das Öl hilft bei rheumatischen Beschwerden, Kopfschmerzen und Migräne und vermag sorgenvolle Gedanken aufzulösen. Portugiesische Forscher konnten zeigen, daß Lavendelöl bereits in geringen Konzentrationen verschiedene Hefe- (Candida-Spezies) und Fadenpilze abtötet, die beim Menschen Haut- und Nagelpilzerkrankungen verursachen können.

 

Beliebt in der Küche

Köche stellen aus den duftenden Blüten Lavendelbutter, Lavendelsahne und weitere Süßspeisen her. Aromatisieren Sie doch einmal Vanilleeis mit zwei, drei Lavendelblüten oder Lavendelzucker, mit dem Sie auch Fleisch, Fisch und Gemüse karamellisieren können! Konfitüre, Pudding, aber auch Herzhaftes vom Grill, Wild oder Fisch sowie Salat profitieren von diesem Geschmack. Bei allem aber bedenken Sie: Weniger ist mehr! Wer dies beachtet, eröffnet sich einen duftenden Schatz.

Herzlichst, Ihr Pater Gerhard.

 

Weitere Informationen:

Kräuterexperte Pater Gerhard
Web: www.brunnenhof-kraeuter-und-mehr.de

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