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VIVA CON AGUA de Sankt Pauli e.V – Von der Schnapsidee zur internationalen Wasserinitiative

Ob beim morgendlichen Duschen oder beim regelmäßigen Abwasch in der Küche – meist gehen wir verschwenderisch mit der kostbaren Ressource Wasser um. Sauberes und trinkbares Leitungswasser ist für den Westeuropäer selbstverständlich. Daß dies nicht überall so ist, erlebte der Profi-Fußballer Benjamin Adrion im Jahr 2005 bei einem Trainingslager auf Kuba. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern gründete er deshalb die Wasserinitiative VIVA CON AGUA de Sankt Pauli e.V.

 

Heute hat das Projekt über 12.000 ehrenamtliche Unterstützer, darunter auch viele Prominente! 2009 wurde Benjamin Adrion für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Benjamin Adrion ist 36 Jahre alt und Vater eines Sohnes. Geboren wurde er in Stuttgart und begann in Neckarrems Fußball zu spielen. Als man sein Talent erkannte, wechselte er zum VfB Stuttgart, wurde Jugendnationalspieler und schließlich Profifußballer. Sein Vater Rainer Adrion trainierte unter anderem die U21-Fußballnationalmannschaft und war Co-Trainer von Jogi Löw beim VfB Stuttgart.

Benjamin Adrions fußballerische Karriere war von Höhen und Tiefen geprägt. Schon als Teenager spürte er, daß Fußball nicht alles im Leben ist. Sein Vater bestärkte ihn darin, sich breit aufzustellen und nicht nur auf den Fußball zu setzen. Zwischen täglichem Training, hartem Konkurrenzkampf und wenigen privaten Freiräumen ging dem Jungprofi zwischendurch die Lust auf Fußball abhanden. Er vermißte Zeit für Freunde und wollte die Welt entdecken.

 

Vom Ex-Fußballprofi zum Weltverbesserer

Nach einer selbstverordneten Auszeit kämpfte sich Benjamin Adrion  jedoch beim VfB Stuttgart wieder an den Profifußball heran. Es war speziell der Teamgedanke, der ihn gerne auf das Spielfeld zurückkehren und die Schattenseiten des Fußballgeschäfts zeitweise vergessen ließ. Daß eine Mannschaft nur gemeinsam Erfolg haben kann und der individuelle Erfolg nur über ein funktionierendes Team möglich ist, sind persönliche Erfahrungen, die Benjamin Adrion auch beim Projekt Viva con Agua einfließen läßt.

Bei seiner letzten Profistation lief Benjamin Adrion für den FC St. Pauli auf – einem Verein, der durch sein gesellschaftliches und politisches Engagement schon immer etwas anders war als die anderen Profivereine in Deutschland. Bei einem Trainingslager auf Kuba im Jahr 2005 blieb den Fußballprofis des FC St. Pauli das soziale Gefälle in dem kommunistischen Land nicht verborgen. Benjamin Adrion bemerkte jedoch schnell, wie fröhlich die Menschen auf Kuba den schwierigen Alltag meistern.

Zurück im Trainingsbetrieb beim FC. St. Pauli regte sich bei Benjamin Adrion der Wunsch, etwas zu verändern, immer stärker. Er initiierte mit Freunden eine Spendenaktion, um Trinkwasser für Kindergärten auf Kuba finanzieren zu können.

Mit 25 Jahren im besten Fußballeralter, hinterfragte sich Benjamin Adrion immer öfter, ob er einfach wie bisher weiter Fußball spielen sollte oder ob es nicht an der Zeit war, etwas Neues auszuprobieren. Im toleranten Umfeld des FC. St. Pauli sah er eine Chance, die sozialen Optionen des lebendigen Stadtteils für positive Synergie-Effekte zu nutzen.

 

Benjamin Adrion und Freunde im Fußballtrikot bei einem Benefiz-Fußballspiel der Initiative VIVA CON AGUA de Sankt Pauli e.V. im Kölner Südstadtion.

Benjamin Adrion (Dritter von Rechts) und Freunde bei einem Benefiz-Fußballspiel “Gentleman vs. Viva con Agua Allstars” im Kölner Südstadtion. Foto: Steffen Z. Wolff für Viva con Agua

 

Mehr als nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

Hellhörig wurde der damalige Mittzwanziger unter anderem durch ein Wasserprojekt der Welthungerhilfe. Der Startschuß für die nachhaltige Wasserinitiative Viva con Agua war somit gegeben. Was vor zwölf Jahren eigentlich als sinnvolles Nebenprojekt zum Fußball gedacht war, entwickelte sich für Benjamin Adrion im Laufe der Zeit zu einer wahren Lebensaufgabe.

Schon kurz nach der Gründung des gemeinnützigen Wasserinitiative stellte er seine Fußballschuhe in die Ecke, um sich mit ganzer Kraft auf sein Hilfsprojekt einzulassen. Angefangen auf Kuba mit der Finanzierung der Wasserversorgung von mehr als 150 Kindergärten 2005/2006 wächst Viva con Agua inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus. Heute gibt es neben dem Hamburger Verein eigenständige Viva con Agua Initiativen in der Schweiz, den Niederlanden, in Österreich und in Uganda.

 

Weltweite Hilfsprojekte

Aktuell fördert Viva con Agua Wasser- und Sanitärprojekte (WASH) unter oft schwierigen Bedingungen, beispielsweise in Äthiopien, Uganda, Kenia und Nepal. Eine besondere Verbindung hält Viva con Agua zu Äthiopien, das nach wie vor zu den weltweit ärmsten Ländern zählt. Die äthiopische Bevölkerung hat in den vergangenen 30 Jahren mehrfach verheerende Dürreperioden und dramatische Hungersnöte durchlebt. Auch die anhaltende Landflucht in Städte wie Bahir Dar führt zu ökologischen und ökonomischen Problemen.

Viva con Agua will durch kontinuierliche Entwicklungsarbeit erreichen, daß in einigen äthiopischen Regionen zumindest die hygienischen Mindeststandards durch sauberes Trinkwasser und sanitäre Anlagen garantiert sind. Zahlreiche Tiefbohrbrunnen konnte Viva con Agua in Kooperation mit äthiopischen Organisationen realisieren.

 

Sauberes Trinkwasser – ein menschliches Grundbedürfnis

Für seinen großen gesellschaftlichen Einsatz wurde Benjamin Adrion im Jahr 2009 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Ganz der Teamplayer hob der sympathische und charismatische Ex-Fußballprofi und jetzige Aktivist bei der Ehrung auf Schloß Bellevue den Gemeinschaftssinn bei Viva con Agua hervor.

Viva con Agua zieht seit seiner Gründung global immer weitere Kreise. Inzwischen hat der gemeinnützige Verein weltweit mehr als 2.000.000 Menschen (2 Millionen) den Zugriff auf frisches Wasser erleichtert. Rund 12.000 Supporter engagieren sich bei der Wasserinitiative – alle auf rein ehrenamtlicher Basis. Seit 2010 gibt es auch in Stuttgart einen lokalen ehrenamtlichen Ableger von Viva con Agua.

 

Junges Mädchen aus Äthiopien schöpft an einer Wasserstelle in Soldo etwas Wasser ab.

Die Schülerin Cheltu aus Sodo (Äthiopien) schöpft Wasser ab. Der Wasserspender geht auf ein Trinkwasserprojekt von Viva con Agua e. V. zurück. Foto: Henrik Wiards für Viva con Agua.

 

Der Verein

Spendengelder sammeln Benjamin Adrion und seine Mitstreiter unter anderem auf Konzerten oder bei Spendenläufen. Ein besonderes Highlight ist hierbei die „Millerntor Gallery“ – ein mehrtägiges Kunst-, Musik- und Kulturfestival mit sozialem Anspruch rund um das Stadion des FC St. Pauli. Die Gewinne aus dem Kunstverkauf gehen zu 70 Prozent an Viva con Agua, 30 Prozent erhält der jeweilige Künstler.

Zusätzlich vertreibt die Viva con Agua Wasser GmbH eigenes Mineralwasser, um die gemeinnützige Arbeit ebenfalls zu unterstützen. 2016 vermeldete die Wasserinitiative insgesamt 14 Millionen verkaufte Flaschen. 60 Prozent pro verkaufter Flasche fließen in die Viva con Agua Stiftung sowie den Viva con Agua de Sankt Pauli e.V.

Benjamin Adrion und seine Mitstreiter lassen nicht locker in ihrem Vorhaben, die Welt zu einem besseren und gerechteren Ort zu machen. Ihre Appelle finden glücklicherweise immer mehr Gehör.  Prominente Persönlichkeiten aus der Film- und Musikszene zeigen sich solidarisch und agieren für den guten Zweck gerne als ehrenamtliche Botschafter.

So stand der bekannte Rapper Marteria für die gute Sache genauso auf der Bühne wie Bela B von der Punkband „Die Ärzte“. Auch der in Elmshorn bei Hamburg aufgewachsene TV-Koch Tim Mälzer ist regelmäßig in der Nachbarschaft präsent, um in St. Pauli vor allem die junge Generation zu sinnvollem gesellschaftlichen Engagement und zu weltweiter Solidarität zu ermuntern.

 

Kontakt

Wer wissen möchte, was Benjamin Adrion und seine Mitstreiter noch so alles auf die Beine stellen, der besucht am besten die Website der Wasserinitiative. Oder er schließt sich einer regionalen Ortsgruppe an.

 

Weiterführende Informationen:

Wasserinitiative Viva con Agua de Sankt Pauli e.V.
Web: www.vivaconagua.org

 

Spendenkonto Viva con Agua 

Hamburger Sparkasse
IBAN: DE58200505501268135181

 

Viva con Agua – Ortsgruppe Stuttgart

Facebook: www.facebook.com/vivaconaguastuttgart
E-Mail: stuttgart@vivaconagua.org

 

ZEIT-Interview mit Benjamin Adrion

Web: www.zeit.de/2014/25/benjamin-adrion-trinkwasser

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