FOOODWORLD MAGAZIN

Willkommen in Dolls Sportlerküche! – Interview mit den beiden Weltmeistern Karl Heinz und Benedikt Doll

Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang hat der Biathlet Benedikt Doll zwei Bronzemedaillen gewonnen und sich damit einen Lebenstraum erfüllt. Nachdem er 2017 Sprintweltmeister geworden war, fehlte nur noch das olympische Edelmetall, um seine erfolgreiche Sportlerkarriere abzurunden.

Doch nicht nur Benedikt ist in der Familie Doll ein sportlicher Ausnahmekönner: seine Eltern liefen beide Marathon, und Vater Karl Heinz „Charly“ Doll war sowohl Skilanglaufchampion als auch Seniorenweltmeister im Berglauf. Neben dem Sport verbindet die Familie Doll eine weitere große Leidenschaft: das Kochen!

 

Lieber Charly Doll, ich schaue regelmäßig auf Ihren Blog „Dolls Küche“, wo Sie gemeinsam mit Ihrem Sohn Benedikt kulinarische Eigenkreationen vorstellen. Stimmt es, daß Sie bei dem im Januar verstorbenen Jahrhundertkoch Paul Bocuse in die Lehre gegangen sind?

 

Charly Doll: Ich habe bei ihm ein Praktikum gemacht. Die Gastronomie ist ja häufig eine Saisontätigkeit, wo man nicht lange am selben Ort arbeitet. Wer ernsthaftes Interesse hat am Kochberuf, der schaut sich überall etwas ab. Und je mehr Hotels man durchlaufen hat, desto besser wird man am Ende ausgebildet. Deshalb habe ich immer versucht, in verschiedenen Sterne-Restaurants etwas dazuzulernen.

 

Sie sind seit vielen Jahren Küchenchef im Seminarhotel Sonnenhof in Hinterzarten. Aber Sie haben auch schon einmal die deutsche Skisprung-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen bekocht. Wie kam es dazu?

 

Charly Doll: Ja, das war 2002 in Salt Lake City. Da haben wir mehrere Häuser angemietet, und in einem der Häuser habe ich die ganze Mannschaft verpflegt. Anfangs war es nur die Skisprung-Nationalmannschaft, später kamen noch die alpinen Ski-Damen dazu.
Der Kontakt kam zustande, weil wir hier in Hinterzarten ein Trainingszentrum haben mit vier modernen Sprungschanzen. Der Heimtrainer Wolfgang Steiert hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mit nach Salt Lake City zu kommen. Das Ganze war aber doch etwas problematisch, weil ich deshalb mein Hotel drei Wochen lang schließen mußte.

 

Vor einigen Wochen hat Ihr Sohn Benedikt seine ersten Olympiamedaillen gewonnen. Wie haben Sie diese Augenblicke erlebt?

 

Charly Doll: Ich habe sie in aller Ruhe vor dem Fernseher erlebt. Ich bin kein Freund von Public Viewing oder Massenveranstaltungen. Da zudem gerade Fasching war, waren wir in närrischer Verkleidung, als Benedikt die Olympia-Medaille überreicht bekommen hat. Der hiesige Verein hat dann eine Feier organisiert. Und ich muß sagen: am Fernseher sieht man bei manchen Sportveranstaltungen mehr, als wenn man vor Ort ist.

 

Um auf Ihren Blog „Dolls Küche“ zurückzukommen. Was ist Ihre ganz persönliche Ernährungsphilosophie?

 

Charly Doll: Wir kochen mit ausgesuchten Lebensmitteln, die eine hohe Nährstoffdichte haben. Ein Beispiel: Man kann Kohlenhydrate essen in Form von Nudeln. Aber im Grunde bekommt man nichts anderes als einen ausgekochten Teigfaden, in dem kaum etwas drin ist. Und das Beste vom ganzen Gericht ist dann die Soße.
Da nehme ich lieber eine frische Kartoffel, die in der Folie gegart wird und wo noch Nährstoffe drin sind.

Wenn man das dann noch kombiniert mit einem Quark oder mit Rührei, dann haben wir eine gute und hochwertige Eiweißkombination. Oder nehmen wir die Mehle: Ein Amaranthmehl hat gegenüber einem normalen Weizenmehl 500 % mehr Mineralien. Und so stellen wir unsere Rezepte zusammen. Regional, saisonal und mit einer hohen Nährstoffdichte.

Biathlet Benni Doll und sein Vater Charly in der Küche. Foto: emc

Biathlet Benni Doll und sein Vater Charly in der Küche. Foto: emc

 

Als Sportler muß man natürlich besonders auf seine Ernährung achten. Sie waren selbst Spitzensportler und sogar Weltmeister in ihren Disziplinen. Unter anderem haben Sie 100 km Läufe gemacht. Gerade beim Ausdauersport findet doch ein ständiger Selbstdialog statt. Der innere Schweinehund sagt: „Aufhören“. Und eine andere Stimme sagt: „Weiterlaufen“. Wie können wir den Schweinehund zum Schweigen bringen?

 

Charly Doll: Einerseits trainiert man ja regelmäßig, aber das Wichtigste bei solchen Ausdauersportarten ist der Kopf. Wenn der Kopf etwas will, dann kann es der Körper auch schaffen. Wenn der Kopf dem Körper sagt, nach 10 km ist Schluß, dann hört der Körper auf zu laufen. Es ist alles eine Frage der Einstellung. Wenn man irgendetwas erreichen will, muß man in der Lage sein, es sich vorzustellen. Und der Körper folgt dann dem Kopf.

 

Zum Abschluß noch eine Nähkästchen-Frage: Die Gastronomie ist ja wahrlich kein einfaches Berufsfeld. Die Ausbildung zum Koch gilt als die härteste und schwierigste Ausbildung überhaupt. Sie sind nun schon seit Jahrzehnten in der Gastronomie tätig. Was unterscheidet den Gast von heute vom Gast der Achtziger- oder Neunzigerjahre?

 

Charly Doll: Früher hatte man Zeit zum Essen. Man nahm sich Zeit. In der Gastronomie hatte man sehr viel mehr Personal, das Essen wurde serviert und zelebriert. Heute muß alles schnell gehen. Man geht in ein Restaurant, in zehn Minuten muß man gegessen haben … und dann ist man schon wieder weg! Das ist der Trend. Auch wenn man in die Stadt geht – da kann man sich an jeder Ecke „irgendetwas“ zum Essen holen. Und man verliert dabei das Gefühl für ein einfaches, gesundes und natürliches Essen.

Mit unserem Blog möchten wir die Menschen dazu bringen, wieder an den Herd zu gehen und einfache Rezepte auszuprobieren, die leicht und schnell umsetzbar sind. Das ist unsere Philosophie.

 

Lieber Charly Doll, ganz herzlichen Dank für Ihre Antworten. Und lieber Benedikt, zuerst einmal nachträglich herzlichen Glückwunsch zu den beiden Olympiamedaillen. Wir haben natürlich ebenfalls vor dem Bildschirm mitgefiebert. Beim Biathlon kann man sich ja nie wirklich sicher sein, egal, wo man vor dem letzten Schießen platziert ist. Wie geht man damit um, wenn man alles gegeben hat, aber plötzlich zwei oder drei Kugeln ihr Ziel verfehlen?

 

Benedikt Doll: Vielen Dank für die Glückwünsche. Das ist zum großen Teil Routine. Man ärgert sich zwar schon enorm, während und auch nach dem Rennen. Ich mache mir dann immer bewußt, daß am Ende Biathlon doch eine Art Spiel ist und es wieder eine neue Chance gibt. Schön ist es, wenn am Tag darauf gleich wieder ein Rennen ist, dann kann man schnellstmöglich eine schlechte Schießleistung wieder wettmachen.

 

Was ist Ihr nachhaltigster Eindruck der Olympiawochen? Wie haben Sie Südkorea erlebt?

 

Benedikt Doll: Die erste Siegerehrung, also die der Bronzemedaille vom Verfolger ist immer noch sehr präsent in meinen Gedanken. Die Eröffnungsfeier und der Einmarsch ins Stadion zu meinen ersten Olympischen Spielen waren auch sehr besonders. Vom Land bekommt man leider nicht so viel mit. Ich erlebte Südkorea trotz der Geschichte als sehr friedliches und ruhiges Land. Wir konnten uns super auf die Rennen konzentrieren.

 

Viele Menschen tun sich schwer mit dem Thema Selbstüberwindung. Sie sind in einer sportlich sehr erfolgreichen Familie aufgewachsen. Wenn es so etwas wie ein Doll-Familienmotto gäbe, wie würde das lauten?

 

Benedikt Doll: „Immer schön sportlich bleiben, aber dabei nicht den Spaß und den Genuß an der Bewegung verlieren.“ Ich denke, der Schlüssel zur Selbstüberwindung liegt darin, eine Sportart für sich zu finden, die einem wirklich Vergnügen bereitet.

 

Gemeinsam mit Ihrem Vater betreiben Sie den Blog „Dolls Küche“. Für einen Sportler ist die Ernährung ja das A und das O. Was essen Sie am liebsten, und wie ernährt man sich als Spitzensportler?

 

Benedikt Doll: Als Biathlet oder allgemein als Ausdauersportler muß man keine spezielle Diät machen, das ist für mich sehr wichtig. Ich esse sehr gerne gut, und wenn’s schmeckt auch nicht wenig. Bei uns ist es sehr wichtig, sich ausgewogen zu ernähren. Das bedeutet, dem Körper alle möglichen Mikro- und Makronährstoffe anzubieten, so daß keine Mangelerscheinungen auftreten. Natürlich ernähre ich mich als Ausdauersportler etwas kohlenhydratreicher.

 

Sie sind jetzt 28 Jahre alt und haben „fast“ alles erreicht, was in Ihrem Sport möglich ist. Werden Sie den Weg eines Ole Einar Bjorndalen einschlagen, der gerade mit 44 Jahren seine Karriere beendet hat, oder planen Sie bereits jetzt den Absprung?

 

Benedikt Doll: Oha, das ist schwer zu sagen. Bis 44 möchte ich auf keinen Fall Biathlon machen. Die nächsten olympischen Spiele möchte ich schon noch mitnehmen, und dann muß ich einfach mal schauen, was meine Motivation in den nächsten Jahren so macht.

 

Ich habe gehört, daß derzeit ein „Doll-Kochbuch“ in Planung ist. Wann wird dieses erscheinen, und welche Gerichte werden wir darin finden?

 

Benedikt Doll: Ja, an unserem Projekt Kochbuch wird derzeit fleißig gearbeitet. Ich möchte so viel verraten: Es gibt die besten Rezepte aus der Küche meines Vaters, und daneben möchten wir die schönsten Flecken im Schwarzwald etwas näher beleuchten.

 

Wo sehen Sie sich in 10 Jahren? Auf der Loipe, in der Küche oder in einem Großraumbüro?

 

Benedikt Doll: Ich mache gerade mein praktisches Semester an einem „Schreibtisch-Arbeitsplatz“. Da fällt es mir doch sehr schwer, acht Stunden am Tag zu sitzen. Dennoch finde ich den Bereich Marketing und Vertrieb sehr interessant. Also sehe ich mich im Großraumbüro … und immer noch sehr viel auf der Loipe in meiner Freizeit.

 

Lieber Benedikt, auch Ihnen herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg – sowohl im Sport als auch mit Ihrem gemeinsamen Ernährungs-Blog! Das Interview führte Michael Hoppe. Fotos: emc

 

Weitere Informationen:

Dolls Küche
Web: www.dollskueche.de

Artikel

FooterLogo_Naturscheck

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

Kontakt

Social Media

Copyright 2018 © All Rights Reserved